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Dienstreisen sind inbegriffen

Dienstreisen sind inbegriffen
Artikel vom:
26.02.2008
Artikel aus:
Bayerische Rundschau

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Stadtsteinach — Freitag abend trifft sich der Stammtisch „Unser Fässla“ im„Gasthof zumGoldenenHirschen“. Seit 40 Jahren haben die Stammtischbrüder schon so manches Fässla aufgemacht.NichtsUngewöhnliches? Doch. Denn „Unser Fässla“ ist laut Landrat Klaus Peter Söllner der kleinste Stammtisch Deutschlands. Er besteht nur aus zwei Personen.
Reinald Kolb (53) und Franz Schübel (61) tragen zur Feier des Tages schwarz: schwarze Jeans, schwarze T-Shirts mit dem Frankenwappen und der Aufschrift „Bierkulturerbe Franken“. LandratKlaus Peter Söllner hat die bestenWünsche ausrichten lassen und versprochen, seinen Besuch nachzuholen. Bürgermeisterin Anneliese von Ramin und deren Stellvertreter Franz Schrepfer geben sich die Ehre und den Jubilaren Gastgeschenke. Die Wirtsleute haben zur Feier des Tages einzigartige Pfefferhaxen mit handgemachten Klöße gekocht und kümmern sich noch rühriger als sonst umdie lieb gewonnenen Gäste. Und natürlich darf auch die Brauer-Familie Schübel nicht fehlen.

Genau vor 40 Jahren hoben Reinald Kolb und Franz Schübel den Stammtisch aus derTaufe.Nichtmit Bier, gibtReinald Kolb offen zu, sondern mit antialkoholischen Getränken. Schließlich war Kolb damals gerade 13 Jahre alt.
Anfangs trafen sich die beiden Freunde immer mit anderen in der urigen Wirtschaft – nach dem Leichtathletik- Training. Dann wurde das Training weniger, und auch so mancher Stammtischbruder ging verloren.
An den Freitagstreffen hielten die Freunde fest. „Seit 1971 sind wir nun schon zu zweit.Und jetzt gefällt uns das so gut, dass wir gar keine Mitglieder mehr aufnehmen wollen, obwohlwir uns natürlich immer über Gäste freuen.“ Die Zweisamkeit am Stammtisch ist nicht das einzige Kuriosum, das die Stammtischgemeinschaft zu bieten hat. „Anfangs haben wir jeden Freitag in einer Fasstasche ein Fass von der Brauerei Schübelmit insWirtshaus getragen und es dann auf der Bank angestochen“, erzählt Kolb.

Ein Arsenal an Krügen

Ehrenplätze haben auch die Krüge der Stammtischbrüder bekommen. Denn Reinald Kolb und Franz Schübel ließen sich von der Mode inspirieren und haben sich mittlerweile ein ganzes Arsenal an Krügen zugelegt. Insofern sind beide begeistert, dass Bürgermeisterin Anneliese von Ramin zum Jubiläum ausgerechnet zwei Glaskrügemitgebracht hat.
Leonhard Schübel und Jürgen Münch von der Brauerei Schübel steuern zum Jubiläum ein ebenfalls durchsichtiges, sogar beleuchtbares Stammtischschild bei. Obwohl der Stammtisch „Unser Fässla“ natürlich schon ein Schild hatte: handgemacht, aus Holzmit einemFässla als Symbol. So rund 8000 bis 9000 Liter Bier werden die beiden Stammtischler wohl schon vernichtet haben, rechnet Jürgen Münch nach. „Drei Bier sind Pflicht, fünf die Kür“, verraten die Stammtischler über ihren Bier-Konsum.
Aber eigentlich geht’s bei den Stammtischtreffen gar nicht ums Bier, sondern darum, zu politisieren, zu kommunizieren, Neues zu erfahren, sich auszutauschen.
Und alle zwei Wochen verlassen die Stammtischler sogar ihren angestammten Tisch und fahren mit dem Bayern-Ticket der Bahn hinaus in die Welt, um Neues zu entdecken. „Das sind sozusagen unsere Dienstreisen…“