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In Stadtsteinach braut sich was zusammen

In Stadtsteinach braut sich was zusammen
Artikel vom:
07.01.2016
Artikel aus:
infranken.de

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Bei der Brauerei Schübel wird das Bier traditionell hergestellt. Aber Braumeister Jürgen Münch ist innovativ. Mit zwei Neukreationen und Bierexport in Franken erzielt er erstaunliche Zuwachsraten.

Wenn Jürgen Münch - wie früher beim heiteren Beruferaten "Was bin ich?" - nach einer typischen Handbewegung gefragt wird, greift er zum Bierglas und hält es gegen das Licht. Im richtigen Leben prüft er so ein frisch gezwickeltes Bier aus dem Lagertank. Farbe, Geruch, Geschmack? Passt! "Ich probiere jeden Sud. Ohne Qualitätskontrolle geht kein Bier raus", sagt der Braumeister.

Nach der letzten Kontrolle im Lagerkeller muss das Bier der Brauerei Schübel aus Stadtsteinach nur noch in Flaschen oder Fässer abgefüllt werden. Aber bis es so weit ist, hat der Gersten saft bereits einen sechswöchigen Entstehungsprozess im Brauhaus hinter sich, das fast so alt ist wie die 1872 gegründete Brauerei.

 

Brautag beginnt um halb fünf

In Stadtsteinach wird noch traditionell gebraut - kein Computer, der alles steuert und vollautomatisch über Nacht das Bier herstellt. So ein Brautag beginnt für Münch frühmorgens um halb fünf. "Ich bin vom Anfang bis zum Ende dabei und für alles verantwortlich", erklärt der 49-Jährige, der in die Brauerei Schübel eingeheiratet und seinen ersten Beruf als Elektriker an den Nagel gehängt hat.

Bierbrauen ist bei Schübel echtes Handwerk. "Ich steuere im Sudhaus alle Ventile per Hand", so Münch. Auch die Ölheizung, um beim Kochen der Würze die verschiedenen Temperaturschritte einzuhalten, wird manuell bedient.

 

Wasser aus dem eigenen Brunnen

Für sein Bier verwendet er Wasser aus dem eigenen Brunnen. Und die Zutaten wie Malz und Hopfen oder die Kronkorken für die Flaschen - alles kommt aus der Region.

Im Sudhaus, so der erfahrene Braumeister, wird die Biersorte festgelegt. Die Malzmischung, das Maischverfahren und die Hopfengabe - "das ist bei jeder Biersorte anders, so kriegt es eine andere Farbe und einen anderen Geschmack."

Nach dem Abläutern, wenn die Malzreste rausgefiltert werden, geht es ab in den Gärkeller, wo die Hefe dazukommt und den Malzzucker in Alkohol umwandelt. Das künftige Bier bleibt eine Woche im offenen Gärbottich. "Da kann es ausdampfen, sag' ich immer."

 

Meister des herben Geschmacks

Münch legt Wert darauf, anschließend im Lagerkeller eine Reifezeit von vier bis fünf Wochen einzuhalten. Denn hier bildet sich der Geschmack aus. "Im Tank gärt das Jungbier langsam nach, und die Kohlensäure wird gebunden", erläutert der Meister des herben Geschmacks, den die Biertrinker so lieben.

Vom leicht rückläufigen Bierkonsum in Deutschland - von 111 Liter pro Kopf im Jahr 2008 auf jetzt 107 Liter - merken die Stadtsteinacher als eine der wenigen Brauereien nichts. Im Gegensatz zu vielen fränkischen Biersiedern von Kulmbach bis Bamberg und von Lichtenfels bis Nürnberg.

 

Ausstoß verdoppelt

Mit "Bierexport" ist es der kleinen Brauerei gelungen, ihren Ausstoß in den letzten fünf Jahren zu verdoppeln. Schübel hat mit zwei Neukreationen einen großen Coup gelandet und liefert - man höre und staune - ganze Lastwagenladungen nach Bamberg, Forchheim und Nürnberg, nach Hof und sogar nach Berlin.

Ein richtiger Renner ist das vor fünf Jahren zum Tag der Franken in Kulmbach präsentierte dunkle und gut gehopfte Kellerbier "A fränkisch", am rot-weißen Rechen auf der Flasche leicht zu erkennen. Und das für den Georgimarkt in Presseck kreierte "Drachenseidla", ein unfiltriertes und bernsteinfarbenes Kellerbier, verzeichnet ebenfalls enorme Wachstumsraten. "Mit diesen beiden unfiltrierten Nischenbieren sind wir stark im Handel vertreten", sagt Münch.

 

Qualität statt Preis

"Zu sehen, wie man mit seiner Arbeit ein hochwertiges Lebensmittel produziert, das den Leuten schmeckt" - das macht für den Brauer die Faszination seines Berufes aus. Dabei lautet seine Philosophie: dem Biertrinker Qualität anbieten. "Wir verkaufen nicht über den Preis."

Gut, dass wir in Franken unsere Brauer und Mälzer haben. Denn wo wäre sonst die berühmte fränkische Biervielfalt mit Kulmbacher Pils, Kellerbier aus der Fränkischen Schweiz, Bamberger Rauchbier oder Nordeck-Trunk aus Stadtsteinach?

 

© infranken.de / STEPHAN TIROCH

 

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