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Unfallmit alkoholischen Folgen

Unfallmit alkoholischen Folgen
Artikel vom:
28.05.2010
Artikel aus:
Bayerische Rundschau

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Wie die Stadtsteinacher Brauer-Familie Schübel zu einerMini-Brauanlage kamund wie
sie ihre Kundschaft daran teilhaben lassenmöchte.

 

Unfälle in Folge von Alkoholeinfluss registriert die Polizei leider immer wieder. Davon, dass es auch Unfälle
mit alkoholischen Folgen der ganz besonderen Art gibt, wissen Andrea Schübel-Münch und Jürgen Münch zu berichten – spätestens seit sie im Besitz einer Mini-Brauerei sind.
Und das kamso: Auf einer langen Autobahnfahrt in Richtung München übermannte die Stadtsteinacher Brauereibesitzer und ihre Begleiter der Appetit auf eine Tasse Kaffee. Doch noch ehe der Wagen auf dem Rastplatz Greding zum Stehen gekommen war, war das Malheur auch schon passiert: Ein Audi mit Hamburger Kennzeichen rammte rückwärts das Auto der Stadtsteinacher.
„Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“, stellte Kirsten Hollinder, die Frau des Unfallfahrers Volker Hollinder, beim Abschied eine halbe Stunde später fest. Binnen kürzester Zeit hatten die beiden Familien trotz aller widrigen Umstände die Sympathie füreinander entdeckt. Und die hielt an. Andrea-Schübel Münch schickte den Nordlichtern – wie versprochen – wenig später Kostproben Stadtsteinacher Braukunst. Und das Hamburger Ehepaar machte imFebruar 2009 auf der Rückreise von einer Urlaubsreise sogar Station in Stadtsteinach.
Bei dieser Gelegenheit kam der Chefmanager der Hamburger Firma Interschalt, die auf die Herstellung von Schalttechnik für Ozeanriesen spezialisiert ist, auch auf eine Mini-Brauerei zu sprechen, die in seinem Unternehmen einst für die Ausbildung konstruiert und von den Lehrlingen gebaut worden war. Und er überließ sie seinen Stadtsteinacher Freunden. Im Winter 2009/2010 fuhren Andrea Schübel-Münch und Jürgen Münch nach Hamburg, übernahmen das gute Stück und verbrachten „ein wunderschönes Wochenende“ bei den Freunden in der Hansestadt.

Jürgen Münch hat die Anlage inzwischen genau unter die Lupe genommen („Da kannman sogar einen Computer anschließen und den Brauvorgang visualisieren“) und sich zu einigen kleineren Modifikationen an der Brauerei entschlossen. Sobald die erledigt sind, hat der Braumeister mit der kleinen Anlage Großes
vor: „Wir wollen Malze in Kleinversuchen testen, bevor wir sie in der Brauerei einsetzen“, verrät der 44-Jährige, der die Kapazität eines Brauvorganges auf etwa 30 Liter beziffert. Außerdem schweben dem
Stadtsteinacher Hobbybrauerkurse vor, sich sich mit der im Normalbetrieb fast automatisch laufenden Kleinbrauerei bestens darstellen lassen.


Ein Sud zum Geburtstag?


Und schließlich wollen es Jürgen Münch und seine Frau Andrea auch nicht ausschließen, dass mit der Anlage kleinere und eigens dafür kreierte Biere für Familienfeiern wie Hochzeiten oder Geburtstage hergestellt werden. „Mit individuellen Etiketten natürlich“, verrät die Stadtsteinacherin.
So klein die Anlage im Vergleich zu einer richtigen Brauerei auch sein mag, Hausbier wird Jürgen Münch bei seinen Auftraggebern aber nicht herstellen können. Immerhin dauert der Brau- und Gärvorgang immerhin rund fünf Wochen. Durchaus vorstellbar ist es jedoch, dass das Geburtstagskind rechtzeitig vor seinem
Ehrentag in die Brauerei kommt und dort den Brauprozess eigenhändig in Gang setzt.
Dass sich der Mut zur Lücke gerade in der Brauereilandschaft lohnt, zeigt die ungeheuere Marken- und Sortenvielfalt im fränkischen Raum. Auch die Brauerei-Schübel, die sich seit 1872 im Familienbesitz befindet, hat dies vor vielen Jahren erkannt und beispielsweise mit dem Nordecktrunk, dem Halbzeit- oder dem Drachenseidla neue Kunden gewonnen. „Wir haben Kunden von Hof bis Nürnberg.“ Ein Geburtstags- oder Hochzeitsbier würde da genau ins Konzept passen.


Gär- und Lagerkeller inklusive


Die Skeptiker, die meinen, mit 30 Liter Bier lässt sich kein ordentliches Fest ausrichten, kann Jürgen Münch übrigens beruhigen: Die Lehrlinge von Volker Hollinder haben natürlich vorgesorgt. Zur Mini-Brauerei gehören auch ein transportabler Gär- und ein Lagerkeller ...